Stottern in Sachsen, Selbsthilfe Gruppe Dresden Leipzig Chemnitz

Psychophysische Regulation: innere (Sprech-) Ruhe finden, Einführung in Meditationstechniken

Am 02. Oktober 2021 hielt Marc Knepper ein Seminar zum Thema „Psychophysische Regulation: innere (Sprech-) Ruhe finden, Einführung in Meditationstechniken“.

Einleitung

Zu Beginn des Seminars stand die Frage im Raum, wer bereits etwas über das Thema Meditation gehört hat und was darüber im Allgemeinen verstanden wurde. Denn was viele nicht wissen ist, wie das eigene Denken einen erheblichen Einfluss auf unser geistiges und physisches Wohlbefinden hat. Auch was das Thema Stottern betrifft, finden einige der Sprechblockaden im denken des Betroffenen statt. Gerade das Thema innere Sprechruhe und die Angst vor dem Sprechen, prägen unsere Sprech- und Verhaltensweisen beim sprechen.

Gleich nach der einleitenden Frage, ob jemand von den Teilnehmern bereits etwas zum Thema Meditation gehört oder unternommen hat, stiegen wir zur Einstimmung in eine geführte Meditation ein. Mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten online über YouTube oder mit Hilfe einer App geführte Mediationen bei sich zuhause oder wie bei uns in einem Seminar durchzuführen. In unseren Fall, haben wie die kostenfreie Variante der Mediations-App „7Mind“ verwendet. So eine App vermittelt gerade Anfängern Einblicke, wie man sich selbst innerlich regulieren kann. In unserer geführten Mediation mit der Gruppe, ging es darum ganz im hier und Jetzt anzukommen. Die Gedanken zu reduzieren und sich mehr auf die eigene Atmung zu konzentrieren. Durch diese bewusste Art und Weise auf seine Atmung zu achten, ermöglicht es den Geist sich zu entspannen (Atmen-Meditation). Im besten Fall tritt eine Gedankenruhe ein, und somit können eher störende Gedanken, keine störenden Emotionen wie etwa Ängste, Sorgen und Wut auslösen. Man betritt eher einen Raum der inneren Gedankenklarheit.

Viele der alltäglichen Blockaden eines stotternden Menschen können durch eine Achtsame Art und Weise, wie man über sein Stottern denkt, sich in Situationen gegenüber dem eigenen Stottern verhält und wie man in seinem eigenen Sprechfluss bleibt positiv verändern werden. Durch diese bewusste Beobachtung der eigenen Gedanken, dem Sprechverhalten und der Sprechweise können so Betroffene herausfinden, was es mögliche Ursache des Stotterns sein kann.

Durch diese Selbstanalyse ist man mit ein wenig Training in der Lage, die Ursachenforschung für eigene Stottern zu betreiben. Alles was einem im Leben passiert, hat seine ganz bestimmte Ursache. Auch das Stottern. In einer Mediation kann beobachtet werden, welche Gedanken (Ursachen) einem im Moment aufkommen und wie man darauf reagiert (Wirkung). Z.B. die Angst in der Schule vor der gesamten Klasse etwas vorzutragen oder vorzulesen (Ursache: Sprechangst), bewirkt in uns das wir vor dem eintretenden Ereignis bereits innerlich ganz nervös werden, verschwitzte Hände bekommen und wenn wir dran kommen anfangen zu stottern. (Wirkung: Nervosität, verschwitzte Hände, Stottern vor der Klasse). Angenommen der selbe stotternde Mensch sitzt gemütlich, ohne eine innerliche Nervosität zu spüren alleine Zuhause und liest flüssig aus einem Buch vor. Solche Beispiele gibt es sehr oft. Ich selbst kann dieses Phänomen bei mir beobachten. Durch die Meditation können Betroffene Menschen lernen, sich und ihre Gefühle zu regulieren, eine positive Einstellung gegenüber seinem Sprechen einzunehmen, anstatt Ängste und Schamgefühle in sich walten zu lassen.

Durch eine bewusste Anwendung psychophysische Regulation können wir im Alltag ganz gezielt unseren eigenen Sprechfluss und Sprechruhe finden.

Jedoch haben sich die Meisten an das Stottern und die damit verbundenen Lebensumstände gewöhnt. Oder haben Techniken und Therapiemethoden gelernt, fallen jedoch nach einiger Zeit wieder in der alten und gewohnten Verhaltensmuster zurück. Es ist einfach so und wir leben das Leben eines stotternden Menschen weiterhin. Doch wie wäre es, wenn es Mittel und Wege gäbe, das Leiden eines stotternden Menschen die Symptomatiken zu reduzieren und zu lindern?

Es gibt verschiedene Wege, Methoden und Therapiemöglichkeiten mit dem Stottern besser leben zu können. Mit Hilfe einer der psychophysischen Regulation, wie etwa geistiger Entspannung, Achtsamkeit und Meditationen, kann Klarheit in die eigene Sprechgewohnheit des Stotterns gebracht werden. Vor allem lässt sich durch ein tägliches Training von wenigen Minuten die eigene Sprechangst reduzieren. Durch die bewusste Beobachtung der eigenen Gedanken können bewusste Entscheidungen über das eigene Stottern getroffenen werden. Negative Gedanken und Emotionen, werden in positive Gedanken ausgetauscht. Je häufiger man das praktiziert, desto schneller werden alte, eher destruktive neuronale Verbindungen gegen neue konstruktive neuronale Verbindungen ausgetauscht.


Sicherlich haben zum Anfang die meisten Stotterer das Gefühl, das sie ihr flüssiges sprechen gar nicht wirklich kennen. Da es durch die aufkommenden Stotter-Symptomatiken im laufe der Zeit geprägt wurde. Doch wie wäre es stotter-frei zu sein? Wie fühlt und hört es sich an, flüssig sprechen zu können? Oder reicht es bereits zu, durch die innere Akzeptanz zu sich Selbst und seinem Stottern Sprechängste abzubauen? Damit die Angst vor dem Sprechen und das damit Verbundene Schamgefühl endgültig aufhören?

Für mich persönlich jedenfalls funktioniert sehr gut. Sich selbst so akzeptieren wie man ist, eine gesunde Selbstliebe aufzubauen, ist nicht nur für das Stottern hilfreich, sondern es hilft auch in vielen weiteren Lebenssituationen. Durch diese innere Freiheit, die durch eine Selbstliebe zu sich und seinem Körper aufgebaut wurde, können schwierige Stotter-Situationen mit einer Art Leichtigkeit und vielleicht auch mit einem kleinem Schmunzel positiv überstanden werden.

Um das zu erfahren, gibt es verschiedene Techniken aus der Meditationspraxis.

Inhalte des Seminars

Es gibt mittlerweile auf der ganzen Welt verteilt, eine große Anzahl von Meditationstechniken. Dabei wird zwischen aktiven und passiven Meditationstechniken unterschieden.

Aktive Meditationen:
Hierbei handelt es sich um eine aktive Form im Zusammenspiel mit dem Körper Achtsam mit sich und seine Umwelt in Kontakt zu treten. Es wird ganz bewusst im Momentan gelebt und eine der folgenden Techniken dabei praktiziert:

  • Yoga, Tantra
  • Qi Gong, Tai Chi
  • Autogenes Training, Gehmeditation
  • Kampfkunst (Kung Fu)

Passive Meditationen

Bei der passiven Art und Weise der Meditation ist nicht etwas gemeint, an nichts denken, einfach nur die Augen zu schließen und sich nur den gegenwärtigen Moment hinzugeben. Letztes ist zwar auch eine Möglichkeit zu meditieren, doch für die meisten ist das wohl eher eine fortgeschrittenere Art des Meditierens.

Die passive Form der Meditation wird deswegen so genannt, weil der Körper dabei meistens vollkommen still ist und geistig dabei trainiert wird. Es gibt Ausnahmetechniken, wo die Atmung mit in den Ablauf einer Meditation integriert wird.

Einige Beispiele für passive Meditationen:

  • Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen
  • Geführte Meditation
  • Mantra Meditation (z.B. Transzendale Meditation kurz TM )
  • Vipassana Meditation (Body-Scan), Zen Meditation

Es gibt einige wissenschaftliche Studien darüber, wie sich eine regelmäßige Meditationspraxis positiv auf die Gesundheit auswirkt. Es wurden unter anderem folgende wissenschaftliche Erkenntnisse herausgefunden:

  • Reduzierung von Stress, durch die Beruhigung und natürlicher Regulierung des Kreislaufes (Stabilisierung der Herzfrequenz)
  • verschiedene Gehirnareale treten vermehrt in Austausch (Erhöhung der Kreativität und Leistungsfähigkeit)
  • durch eine regelmäßige innere Einkehr mit Hilfe von Meditationen, können die Anwender bewusstere Einscheidungen im Alltag für sich treffen; eine Angst reduzierende Wirkung wurde ebenfalls durch die Regulierung von Stress festgestellt


Welchen Nutzen hat Meditation auf das Sprechen?

Nachdem wir geklärt haben was Meditation ist, welche gesundheitlichen Vorteile es mit sich bringt, kommen wir nun dazu was es mit dem Stottern zu tun hat. Durch die innere Einkehr bei einer Meditation wird der eigene Geist trainiert, auf seine Gedanken und Gefühle zu achten. Da das Stottern bei den meisten Betroffenen mit Sprechangst, Innere Unruhe, angelernte Sprechgewohnheiten, erlebte Traumata oder der unbewusste Verlust des flüssigen Sprechflusses zu tun haben, kann durch Achtsamkeit, Selbstanalyse und gezielter Ursachenforschung der eigene Ursprung des Stotterns auf dem Grund gegangen werden.

Z.B. gibt es da eine Achtsamkeit Technik, die die „Warum-Methode“ genannt wird. Es werden zuerst die Augen geschlossen und die Aufmerksamkeit auf die eigene Atmung gelenkt, damit sich der eigene Geist beruhigen kann. Nach einigen wenigen Minuten kann damit begonnen werden, sich innerlich eine „Warum-Frage?“ zu stellen. Wer möchte kann diese Übung auch bei geöffneten Augen durchführen und die Fragen und Antworten auf ein Blattpapier niederschreiben. Ggf. kann diese Übung auch zu zweit durchgeführt werden.

Ein Beispiel: Kommt man im Alltag in eine immer wiederkehrende Situation, wo Nervosität, eine innere Sprechunruhe oder eine Sprechangst auftritt, kann mit Hilfe verschiedener Warum-Fragen diese immer wiederkehrende Muster näher auf den Grund gegangen werden.

Aus diesem persönlichen Beispiel können sich folgende Warum-Fragen ergeben, welche aufgeschrieben werden können, in einer Meditation oder bei einer anderen Entspannungsübungen in seinen Kopf/Geist für sich selbst beantwortet werden:


Frage: Warum habe bin ich so aufgeregt, gleich wenn ich dran bin meine Bestellung vorn beim Bäcker aufzugeben? Mögliche Antwort: Na ja, das ist immer so, wenn ich zum Bäcker gehe. Ich stottere nun, das war schon immer so. Ich habe nun mal diese Nervosität, weil ich stottere.

Frage: Gut ich bin Stotterer, aber warum bin ich den Nervös beim Bäcker die Bestellung abzugeben, andere stotternde Menschen können ohne diese Nervosität und der innerlichen Aufregung ihre Bestellung abgeben?

Mögliche Antwort: Wenn ich genau überlege, hat es vielleicht mit meiner Scham zu tun, sich gegenüber anderen Menschen auszudrücken und damit seine eigene Schwäche dem Stottern vor anderem zu offenbaren.

Frage: Warum habe ich diese Scham gegenüber meinem Sprechen? Wo hat sie ihren Ursprung?

Mögliche Antwort: Wenn ich genau überlege hat es damit zu tun, dass es mir als Kind und Jugendlicher wichtig war, mit meinem Stottern nicht großartig weiter aufzufallen. Ich wollte „normal“ sein, und so sein wie die anderen in meinem Alter. Also habe es vermieden, mich in solche Sprechsituationen zu begehen.

Frage: Ich bin doch nun älter geworden und muss nicht mehr die negativen Gefühle gegenüber meinem Sprechen aus vergangenen Tage immer wieder neu erleben. Nun habe ich diese Erkenntnis darüber gewonnen, was ein möglicher Ursprung für meine Angst und Nervosität beim Bäcker sein kann. Aber wie kann ich nun mich von diesen inneren eher negativen Gefühlen trennen, sodass ich wie andere ohne Scham und Angst eine Bestellung aufgeben kann?

Mögliche Antwort: Da diese Gefühle bzgl. meines Sprechens aus der Vergangenheit stammen, wo es mir vielleicht noch wichtig war, was andere von mir denken und das ich unbedingt nicht auffallen wollte, sind vergangen und momentan nicht mehr relevant. Es sollte mir egal sein, was andere von mir denken. Wichtiger ist, wie ich selbst über mich denke und entsprechend mutige Handlungen im Alltag setze, ohne mich wieder in Sprechängsten und Schamgefühlen zu verlieren.

// Anmerkung: Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass uns gewisse Situationen aus der Vergangenheit immer noch in der Gegenwart begleiten können, obwohl sie längst ausgedient haben. Als Kind und Jugendlicher hat das Vermeidungsverhalten erst gar nicht in bestimmte Sprechsituationen hineinzugehen, einen Schutzmechanismus gehabt, um nicht dem Spot und dem Gelächter seiner damaligen Gleichaltrigen ausgesetzt zu werden. Doch sind diese Verhaltensweisen immer noch von nutzen? Ist es nicht längst an Zeit neue Sprechverhaltensweisen und Sprechgewohnheiten im Alltag zu integrieren?

Zen Meditation und geführte Selbsthypnose zum einschlafen

Nach der Pause haben wir uns noch etwas zum Thema diskutiert und eine Zen-Meditation im Garten durchgeführt. Abgeschlossen wurde das Seminar mit einer Art Selbsthypnose zum einschlafen. Die Technik dahinter kann für viele verschiedene Ziele eingesetzt werden.

Bei dieser Selbsthypnose-Technik geht es dabei den Körper in eine Art Entspannungs-Trance zubringen und den Geist mit Affirmationen zum einschlafen zu bringen. Die Kunst des schnellen einschlafen resultiert nicht nur daraus, dass man einfach tagsüber viel gemacht hat und man einfach müde ins Bett geht. Sondern es ist damit verbundene körperliche und geistige Entspannung. Arbeiten wir tagsüber viel mit dem Körper, kann der Körper am Abend besser entspannen und man schläft schneller ein. Meistens folgt aus der körperlichen Entspannung, eine geistige (Gedankenruhe). Der Körper und der Geist kommen zur Ruhe, man schläft ein.

Ist das nicht der Fall. Hat man Schwierigkeiten sich am Abend zu entspannen, endlich abzuschalten und sich vom vergangenen Tagesgeschehen zu trennen, können Einschlafprobleme verursacht werden. Mit Hilfe der Selbsthypnose kann relativ schnell, eine körperliche und geistige Entspannung hervorgebracht werden. Eine entsprechend ruhiges und abgedunkeltes Schlafzimmer sind Voraussetzungen für ein natürliches einschlafen.

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